Vietnam: Hanoi, Ha Giang Loop und Ninh Bình

Knapp zwei Wochen ging es dieses Mal nach Vietnam, genauer gesagt in den Norden des Landes. Der grobe Plan: erst von Seoul nach Hanoi, drei Tage später früh morgens mit dem Shuttle hoch nach Ha Giang, vier Tage darauf mit dem Nachtbus runter nach Ninh Binh und nach weiteren vier Tagen die relativ kurze Strecke zurück nach Hanoi, wo wir den Ausflug mit zwei Tagen ausklingen lassen. Klingt nach viel Bewegung, war am Ende aber gut machbar.

Hanoi im Dunst

Die ersten Tage gehören erstmal der Stadt. Wir latschen durch die unzähligen engen Gassen, gucken was es so zu sehen gibt und lassen uns ein wenig treiben. Anika hat sich vorher eine Schneiderin rausgesucht und stattet dieser direkt einen Besuch ab. Der Plan: ein paar Lieblingsstücke, die sie eh schon besitzt, aber inzwischen ziemlich abgetragen sind, einmal neu nachschneidern lassen. Das klappt erstaunlich reibungslos, schon nach zwei Tagen kann sie die ersten Schnittmuster anprobieren.

Wettertechnisch ist es in Hanoi sehr warm und auch deutlich wärmer als sonst zu dieser Jahreszeit. Dazu ist die Luft ziemlich schlecht, sodass meist ein leichter Dunst über allem liegt. Sieht man irgendwann gar nicht mehr so bewusst, ist aber da.

Beim Essen wird man wie erwartet nicht enttäuscht: super lecker, viele Suppen und natürlich der ein oder andere (oder auch dreizehnte) Bánh mì. Hunger hat man hier eigentlich nie lange.

Untergebracht sind wir in einem kleinen Studio mit Waschmaschine, Trockner und … einem großen Massagesessel mitten im Zimmer. Sehr praktisch und ein wenig schräg.

Als Easy Rinder auf dem Ha Giang Loop

Nach drei Nächten geht es früh morgens am vierten Tag wieder hoch in den Norden, denn jetzt steht das eigentliche Highlight an: der Ha Giang Loop auf dem Motorrad. Gebucht haben wir das Ganze über Ha Giang Adventures (https://www.ha-giang.com). Teil des Pakets ist glücklicherweise auch die Abholung in Hanoi und die Fahrt nach Ha Giang, überraschenderweise nicht im Bus oder Sammeltaxi, sondern nur wir beide im  privaten PKW. Die Fahrt dauert knapp 5 Stunden.

In Ha Giang angekommen geht es direkt mit dem Mittagessen weiter und dem Kennenlernen unserer Fahrer. Denn gefahren sind wir nicht selbst, sondern als Easy Rider hinten mit drauf. Nach dem Essen folgt noch eine kurze Fahrt zum Office von Ha Giang Adventures, wo wir unsere Taschen für die Tour packen. Es gibt wasserdichte Säcke, wiederbefüllbare Trinkflaschen und richtige Regenkleidung. Bei vielen anderen Anbietern gibt es nur Einwegflaschen und Plastiksäcke gegen den Regen, hier also schon mal ein Pluspunkt. Kurze Einweisung, ab aufs Motorrad und los geht die Fahrt.

Der Loop führt einmal im Kreis und ganz in den Norden bis an die Grenze zu China. Zu befahren ist alles, was man sich so vorstellen kann: normale Straßen durch Dörfer, schmale Serpentinen bergauf und bergab, Straßen über hohe Pässe und alles dazwischen. Glücklicherweise kaum Sandwege, denn das kann schon ordentlich holprig werden.

Insgesamt haben wir drei Übernachtungen und jeder einzelne Schlafplatz ist top. Der erste in einem kleinen Dorf, der zweite an einem Fluss mit Blick auf eben diesen, der dritte in einem ziemlich gut ausgestatteten Glamping-Zelt. Zu essen gibt es jeden Abend am Ankunftsort und immer frisch gekocht, unterwegs halten wir an verschiedenen Bistros und Restaurants. Mit dem Wetter haben wir richtig Glück, tagsüber gibt es nur einmal leichten Nieselregen, der Rest der Zeit bleibt trocken.

Als Easy Rider auf dem Motorrad sitzend hat man während der Fahrt nicht viel mehr zu tun als sich festzuhalten und die Landschaft zu genießen. Anders als Anika kann ich locker über meinen Fahrer hinwegschauen, was die ganze Sache nochmal angenehmer macht.

Nach drei Nächten und vier Tagen kommen wir wohlbehalten wieder in Ha Giang an. Und dann heißt es auch schon: Sachen umpacken, duschen, ab in Richtung Bus. Denn noch am selben Abend geht es per achtstündiger Nachtbusfahrt weiter nach Ninh Binh.

Bisschen Pool in Ninh Binh

Ninh Binh liegt knapp 1–2 Stunden südlich von Hanoi und ist vor allem für seine schöne Landschaft bekannt. Die Fahrt mit dem Nachtbus verläuft zum Glück ziemlich ereignislos. Ich hatte mir vorher noch etwas gegen potenzielle Reisekrankheit eingeworfen und die Tabletten machen scheinbar dezent müde, sodass ich die meiste Zeit verschlafe. Insgesamt gibt es zwei Pausen, um kurz was zu essen oder auf Toilette zu gehen. Damit man dafür nicht extra seine Schuhe anziehen muss, steht vorm Bus ein Korb voller Plastiklatschen zur Selbstbedienung. Jeder im Bus hat seine eigene Koje, lang genug um sich fast ausgestreckt hinzulegen, und man kann sich sogar liegend anschnallen, was das Risiko, durch die Gegend geschleudert zu werden, ordentlich minimiert.

In Ninh Binh kommen wir um 03:00 Uhr morgens an und müssen dann im leichten Nieselregen erstmal mit den bereitstehenden Taxifahrern klären, dass wir den ominösen Nacht-was-auch-immer-Zuschlag nicht zahlen werden, da wir den Weg notfalls auch einfach laufen könnten. Und es geht hier nicht um ein bisschen mehr, sondern eher um den fünffachen Preis. Nach ein bisschen Hin und Her werden wir dann doch für deutlich weniger zum Hotel gefahren.

Den großen Trick hatten wir aber schon vorher eingebaut: Wir haben unsere nächtliche Ankunft vorab angemeldet und das Zimmer extra schon für dieselbe Nacht gebucht. So liegen wir um 04:00 im Bett und müssen nicht bis 14:00 zum Einchecken warten. Fuchs!

In Ninh Binh machen wir ansonsten nicht besonders viel, außer am Pool zu liegen. War aber auch genau so der Plan. Einen Ausflug gönnen wir uns trotzdem, und zwar zur größeren Tempelanlage der Bai-Dinh-Pagode, die wirklich beeindruckend ist. Lustigerweise wird man dort von Station zu Station mit einer Art überdimensionierten Golfkarts gekarrt.

Zurück nach Hanoi

Nach vier Nächten geht es für uns zurück nach Hanoi und ins selbe Hotel wie zuvor. Hier holen wir noch Anikas geschneiderte Kleider ab, die wirklich gut geworden sind, und streifen nochmal ein wenig durch die Stadt.

Am Ende muss ich sagen: Hanoi ist zwar spannend, aber keine wirklich schöne Stadt. Die schiere Menge an Rollern ist schon beeindruckend, gleichzeitig ist es irgendwie überall nur wuselig und laut.

Und weil wir gerade bei den Rollern sind: Selbst gefahren sind wir in Hanoi zwar nicht, aber über eine App namens „Grab“ kann man sich entweder ein Taxi oder eben einen Roller bestellen. Macht man Letzteres, kommt jemand mit seinem Roller vorbeigefahren und man steigt hinten drauf. Einen Helm gibt es auch, der war zumindest mir aber eigentlich immer zu klein. Die Fahrt durch den Stadtverkehr ist dann jedenfalls ziemlich spannend. Kann man mal machen. Zum Abschluss gab es noch einen Vormittag in einer Messermanufaktur bei dem am Ende zwei zum Teil selbst gebastelte Schneidegeräte bei rausgekommen sind 🙂


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